Westafrika-Reise (Senegal und Guinea-Bissau): Kraftplätze, Krisen und innere Lektionen unterwegs
- Mirja
- 1. März
- 4 Min. Lesezeit
Diese Reise würde anders werden als alle vorherigen – das war von Anfang an klar. Westafrika ist selbst für erfahrene Kraftplatz-Reisende eine Erkundungstour auf einem anderen Niveau. Nicht nur im äußeren Sinn, sondern auch im inneren Mitreisen von zu Hause aus.
Ein holpriger Start
Schon der Beginn war alles andere als ruhig. Das Fahrzeug machte nicht mit, die Bremsen wollten nicht so recht, der Verbrauch schien grenzenlos. Und schnell wurde klar: Hier fährt man mit sehr alten Autos – Improvisation ist Teil des Konzepts.
Das erste Auto musste in einer Hauruck-Nachtaktion getauscht werden. Und doch zeigte sich später: Auch das zweite Fahrzeug brachte keine grundlegend andere Realität. Die Bremsen waren zwar besser, aber der Verbrauch blieb hoch.
Eine erste, sehr klare Lektion dieser Reise: Nicht alles lässt sich optimieren. Manches bleibt, wie es ist – und muss genau so akzeptiert werden.

Lernen im Unplanbaren
Auch die Zusammenarbeit mit dem lokalen Guide verlief nicht sofort harmonisch. Die gemeinsame Basis musste sich erst entwickeln, was die Anfangsphase zusätzlich herausfordernd machte.
Gleichzeitig war diese Reise stark strukturiert: Acht Live-Übertragungen direkt von den Kraftplätzen, organisiert und technisch begleitet – unter anderem mit Starlink, um überhaupt Verbindung in abgelegenen Regionen zu ermöglichen. Doch auch das funktionierte nicht immer zuverlässig.
Und genau darin lag bereits die nächste Erfahrung: Kontrolle ist begrenzt. Selbst gute Vorbereitung schützt nicht vor Unvorhersehbarkeit. Entscheidend ist, wie man damit umgeht – besonders dann, wenn vorher alles klar kommuniziert war und trotzdem Dinge anders laufen.

Steinkreise und erste Tiefe
Die Reise begann schließlich richtig an den Steinkreisen bei rund 40 Grad Hitze. Alte Steinformationen, teils in Doppelkreisen angeordnet, bildeten den Rahmen für die erste Live-Verbindung. Schon dort zeigte sich, wie stark Orte wirken können – nicht nur auf die Gruppe vor Ort, sondern auch auf die Mitreisenden im digitalen Raum. Erste emotionale Reaktionen, erste Tränen, erste tiefe Resonanz.
Nationalpark und das Spiel mit Erwartungen
Weiter ging es in einen UNESCO-geschützten Nationalpark im Senegal. Viele Stimmen hatten im Vorfeld gesagt: „Dort gibt es nichts zu sehen.“
Und genau das wurde zur nächsten Erfahrung: Erwartungen von außen sind oft bedeutungslos.
Stattdessen zeigte sich ein stiller, intensiver Ort am Gambia River. Paviane, Krokodile aus der Ferne, Nilpferde im Wasser – und eine Atmosphäre, die so ruhig und gleichzeitig lebendig war, dass der Wunsch entstand, einfach zu bleiben.
Es war eine Erinnerung daran, wie kraftvoll es sein kann, nicht weiterzuziehen, sondern anzuhalten.
Der Park war bewusst ursprünglich gehalten – keine eingeflogenen Tiere, keine künstliche Safari-Inszenierung. Dafür große Pavianfamilien, laut, lebendig, unmittelbar.
Auch nachts zeigte sich das Leben weiter: Affen in den Bäumen, beobachtet mit moderner Technik, fast wie in einer anderen Welt sichtbar gemacht.
Und wieder entstand eine zentrale Erfahrung: Das Unsichtbare wird sichtbar, wenn man bereit ist, genau hinzusehen – im Außen wie im Inneren.
Die Reise als Spiegel
Im Verlauf der Reise wurde deutlich, dass es nicht nur um Landschaften oder Begegnungen ging. Es ging ebenso um innere Prozesse:
Was bringt uns aus der Ruhe?
Was macht uns wirklich glücklich?
Wo reagieren wir automatisch – und wo können wir bewusst bleiben?
Die Reise wurde damit zunehmend zu einem Spiegel. Situationen mit Reibung, Verzögerungen oder kulturellen Unterschieden wurden zu Lernfeldern für innere Stabilität.
Begegnungen mit spirituellen Führern
Ein besonderer Teil der Reise waren Begegnungen mit traditionellen spirituellen Führern und Königen in Senegal und Guinea-Bissau. Diese tragen in ihren Gemeinschaften Verantwortung für tausende Menschen – nicht politisch, sondern spirituell und kulturell.
In Guinea-Bissau, einem der ärmsten Länder der Welt, wurden animistische Traditionen sichtbar: heilige Wälder, klare Regeln, geschützte Räume, die nur bestimmten Menschen zugänglich sind.
Der Umgang mit Natur war dabei kein Konzept, sondern gelebte Realität. Bäume werden gepflanzt, Wälder geschützt, Rituale bewahrt.
Die zentrale Botschaft war einfach und klar: Respekt vor der Natur ist keine Theorie, sondern eine Haltung.
Einfachheit, die herausfordert
Gleichzeitig zeigte sich eine andere Seite: Einfaches Leben, wenig materielle Struktur, viel Improvisation – und dennoch Lachen, Leichtigkeit und Gemeinschaft.
Ein Fußball kann auch aus einer Plastiktüte entstehen. Ein Spiel braucht kein Equipment, sondern Menschen.
Das stellte viele gewohnte Vorstellungen infrage: Was ist wirklich notwendig? Und was ist nur kulturell gelernt?

Innere Spannungen und Wachstum
Natürlich war die Reise nicht nur friedlich. Lange Wege, schwierige Situationen, menschliche Reibung und wiederkehrende Trigger machten deutlich, wie anspruchsvoll es sein kann, innerlich stabil zu bleiben.
Gerade in der Begegnung mit unterschiedlichen Menschen und Perspektiven entstanden Fragen: Bleiben oder gehen? Aushalten oder abgrenzen? Verstehen oder loslassen?
Diese Spannungsfelder gehörten ebenso zur Reise wie die äußeren Orte.
Bijagos-Inseln: Wandel der Energie
Ein deutlicher Übergang zeigte sich auf dem Archipel der Bijagos-Inseln in Guinea-Bissau. Dort, zwischen zahlreichen Inseln, veränderte sich die gesamte Atmosphäre.
Ruhe, Weite, Naturverbundenheit – und eine spürbare Entspannung in der Gruppe.
Hier zeigten sich auch seltene Begegnungen mit Salzwasser-Nilpferden und eine Landschaft, die gleichzeitig wild und sanft wirkt.
Tanz, Rituale und Transformation
In Dorfgemeinschaften wurden Tanzzeremonien erlebt, die eine klare soziale und spirituelle Funktion hatten: Konflikte lösen, Spannungen transformieren, Gemeinschaft stärken.
Auch das zeigte eine andere Form von Umgang mit zwischenmenschlichen Konflikten – nicht durch Distanz, sondern durch rituelle Verarbeitung.
Rückkehr zur Verbindung
Am Ende dieser Reise zieht sich ein roter Faden durch alle Erfahrungen: Verbindung.
Verbindung zwischen Menschen, Kulturen und Natur. Und ebenso die Verbindung nach innen – zur eigenen inneren Natur.
Die zentrale Botschaft eines spirituellen Führers in Guinea-Bissau blieb besonders hängen: Mit der Natur – und mit der eigenen inneren Natur – achtsam umzugehen.
Fazit der Friedensreise in Westafrika
Diese Reise war keine lineare Erfahrung, sondern ein vielschichtiges Geflecht aus äußeren Eindrücken und inneren Prozessen.
Vielleicht ist genau das die eigentliche Kraft solcher Reisen:Sie zeigen nicht nur andere Orte – sie zeigen, wie wir selbst in diesen Orten reagieren.
Und manchmal ist die wichtigste Erkenntnis schlicht:
Nicht alles muss verstanden werden. Manches darf einfach erlebt werden.
Mehr Eindrücke der Reise
Feedback der Teilnehmer
„Liebe Mirja, lieber Cornelius, vielen vielen Dank für diese vielen verschiedenen Eindrücke, Gefühle, Reinigungen.“ - Martina
„Die Pilgerreise wirkt bei mir noch nach, mein Thema war ja sehr stark: von der Sicherheit in die Freiheit.“ - Yvonne





































Kommentare